Ein aktuelles Interview des SRF am 8. September u.a. zum Projekt "Schweizen in Deutschland"

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Kollesleuker Schweiz

Freundliches Pilzmonster und sagenhafte Felsen

Beeindruckt von der Mystik dieses Ortes wartet in Nähe der Stadt Freudenburg im Landkreis Trier-Saarburg die nächste Überraschung: die Kollesleuker Schweiz. Zuerst weist im Ort Kollesleuken ein Straßenschild mit diesem Namen die Richtung. Nur wenige Schritte weiter gerät eine alte Mühle ins Blickfeld, die zwar nicht mehr arbeitet, aber bewohnt ist. Wer den Bewohner nett fragt, für den öffnet sich ein Kleinod der besonderen Art: ein paradiesischer Garten mit typisch schweizerischen Elementen. Ein rauschender Wasserfall, ein fischreicher Teich, ein kleines Chalet - eine nette Sennhütte aus Holz - und einen blumenreichen Garten, der mit Figuren allerlei Art geschmückt ist. Umrahmt wird dieses heimelige Terrain von Felsen, deren rötliche Farbe den Garten in ein malerisches Licht taucht.

Hinweisschild Der Schweiz-Wächter

Noch ganz gebannt von der Romantik dieses persönlichen Eilandes mit seinem schweizerischen Flair taucht in kurzer Entfernung ein kirchturmartiger Felsriese auf. Mit seinem mächtigen Schaft und seinem breiten Hut sieht er aus wie ein Pilz. Majestätisch steht er ganz allein am Wegesrand und scheint den Eingang zur Schweiz zu bewachen. Seine samtrote Haut, die teilweise mit tiefgelben Flechten bedeckt ist, zaubert diesem Grenzwächter ein freundliches und einladendes Lächeln ins Gesicht. Nach dem Passieren der „Grenze“ öffnet sich plötzlich ein Wundertal mit einer faszinierenden Kulisse, die auf Schritt und Tritt imposanter wird: ein kleiner Fluss, trauliche Wiesen, umsäumt von steil aufragenden Felsformationen, die ab und zu von kleinen Wasserfällen unterbrochen werden. In jahrtausendelanger, zäher Arbeit hat hier der Fluss Leuk oder auch Leukbach genannt ein enges und teilweise tiefes Tal, das Leuktal bzw. Leukbachtal, in den Buntsandstein gegraben. Das anmutige und wildromantische Tal mit seinen steil aufragenden Buntsandsteinfelsen, durch den ein ausgewiesener Wanderweg, der Maria-Croon-Weg verläuft, ist auch der Grund dafür, dass einem Teil dieses Gebietes die Bezeichnung „Kollesleuker Schweiz“ zugesprochen wurde.

Die teils majestätischen und sagenhaft wirkenden Felsen mit ihren abwechslungsreichen Formen und Farben lässt Kenner der Sächsischen Schweiz vor Neid erblassen. Ihre oft bizarren und auch verspielten Formen strotzen vor Einfallsreichtum und geben eine imposante Kulisse ab, die teilweise den Himmel über dem Tal verdunkeln. Ihr rötlicher Farbton ist mit vielfältigen Mustern durchwoben, die jeden Malkünstler ins Staunen versetzt. Lohnenswert ist auch ein näherer Blick auf das rote Gestein. Tiere und auch andere Lebensarten, wie Quallen und Muscheln scheinen sich hier eingegraben zu haben und zeugen von Wasser ozeanischem Ausmaß, das vor Millionen von Jahren hier heimisch war. Nach ca. 3 Kilometern Weg durch diese phantastische Felsenwelt mit seiner naturbelassenen Szenerie ist die Grenze zum Saarland erreicht und es geht zurück. Dem Auge bietet sich jetzt eine andere Perspektive. Plötzlich tauchen auch auf der anderen Seite des Tals gewaltige Felsformationen auf, die vom teils dichten Wald freigegeben werden. Bald ist wieder unser Pilzmonster, der das Wahrzeichen Kollesleukens darstellt, erreicht und die auf ihm stehende Birke schaukelt im Wind als würde sie dem Wanderer ein herzliches „Auf Wiedersehen“ zuwinken.

Gigantische Sandsteine

Es klapperten Mühlen an der rauschenden Leuk …

Eingebettet in dieses malerische Leukbachtal waren früher viele Mühlen. Übrig geblieben sind heute nur teils verlassene und abbruchreife Gebäude, wie die Haselmühle, die untere

Stegmühle und Herrenmühle, die Zeugnis ablegen von der ehemaligen Nutzung der Wasserkraft der in der saarländischen Gemeinde Eft entspringenden Leuk. Noch bis Ende der siebziger Jahre mahlten hier Landwirte aus der Umgebung ihr Getreide. Dann hatten technische Neuerungen in der Industrie die alte Herstellungsmethode überholt und die Mühlen stellten ihren Betrieb ein.

Von helfenden Zwergen bis zu gefürchteten Raubrittern

Viele Mythen und Sagen ranken sich um dieses Tal. Sie erzählen von Höhlen, in denen Zwerge lebten, von Einsiedlern und auch gefürchteten Raubrittern. Die Zwerge sollen früher den Bauern viel Gutes getan haben. Sie halfen beim Ausmisten der Ställe, putzten die Pferde und Rinder, melkten die Kühe, mahlten Mehl und trugen die schweren Säcke auf die Wagen, mit denen die Bauern zum Markt fuhren. Sie berichten auch von einer Jungfrau, die im Sumpf einen schrecklichen Tod fand und von einem Raubritter, der das Land unsicher gemacht hat. Er, seine Hundemeute und seine Spießgesellen sollen noch heute ihr Unwesen treiben und von Zeit zu Zeit in den Wäldern und Schluchten des Leukbachtales umherrasen. Dann soll der Wind unheimlich um die Felsen heulen und im Geäst der Bäume rauschen und die Menschen erschrecken.

Saarburg - der größte innerstädtische Wasserfall in Europa

Die Leuk ist mit ihren 15 Kilometern zwar nicht lang, entfaltet aber am Ende ihrer Reise, wo sie in Saarburg in die Saar mündet, eine gewaltige Kraft. Im Innenstadtbereich der Stadt Saarburg, nur wenige Kilometer von der Kollesleuker Schweiz entfernt, stürzt sie nichts ahnend zwischen Häuserzeilen über Felskaskaden 18 Meter in die Tiefe und treibt im Talkessel die Räder von Mühlen an. Was der Rheinfall für das schweizerische Schaffhausen ist, ist der „Leukfall“ in dem kleinen mittelalterlichen Städtchen in Rheinland-Pfalz - und das mitten in der Stadt. Er ist der größte innerstädtische Wasserfall Europas! Dieses einzigartige Naturschauspiel ist der pulsierende Mittelpunkt der Stadt, der von bunten Sonnenschirmen, Tischen und Stühlen der kleinen Restaurants besiedelt wird.

Die bunte Altstadt Der tobende Wasserfall

Saarburg ist ein idyllisches Städtchen mit südländischem Charme, gelegen inmitten der einzigartigen Kulturlandschaft des Dreiländerecks Deutschland-Frankreich-Luxemburg. Nicht nur der außergewöhnliche Wasserfall prägt den Charakter dieser tausendjährigen Stadt. Der Besucher wird schnell verzaubert von den engen, verwinkelten Gassen, von „Saarburgs Klein Venedig“ mit den filigranen Brücken über den Leukbach und der malerischen Altstadt mit den bunten Fischer- und Schifferhäusern. Hoch über der Saar trohnt eine mächtige und geschichtsträchtige Burgruine und bietet einen traumhaften Ausblick auf Saarburg sowie die Saar, die wie ein Gürtel die Stadt umfließt. Erbaut wurde sie 964 von Graf Siegfried von Luxemburg, der die Bedeutung der malerischen Landschaft erkannte. Er schuf damit eine der schönsten und mächtigsten Höhenburgen des Westens. Spektakulär wirkt auch das „Amüseum“, ein Museum, das eine Ausstellung mit traditionellen Saarburger Handwerkerberufen wie Gerber, Glockengießer, Drucker, Schuster und Schiffer beherbergt.