Ein aktuelles Interview des SRF am 8. September u.a. zum Projekt "Schweizen in Deutschland"

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Saarländische Schweiz

Die Saar, mit einer Länge von 235 Kilometern der größte Nebenfluss der Mosel, prägt Landschaft, Menschen und Kultur. Selbst in der Landesfahne scheint sie verewigt, wenn man das weiß-rote skandinavische Kreuz als Zusammenfluss der beiden in Frankreich entspringenden Quellflüsse Weiße und Rote Saar interpretiert. An ihren art- und naturgerechten Windungen schmiegen sich malerisch Dörfer und Städte. Sie umspült Berge und Felder und schlängelt sich wie eine Schlange gemütlich an Burgen und Schlössern vorbei bis sie bei Orscholz eine plötzliche Wende von 180 Grad vollzieht: es ist die weltberühmte Saarschleife. Die Schleife ist ein kleines Naturwunder und gilt als das Wahrzeichen des Saarlandes. Atemberaubend liegt sie auf dem 180 Meter hoch über dem Fluss gelegenen Aussichtspunkt Cloef dem Betrachter zu Füßen. Ihre plötzliche Wende strahlt eine magische Anziehungskraft aus, insbesondere auf Staatsoberhäupter und hochrangige Politiker. Denn hier schauten schon Konrad Adenauer, der damalige französische Präsident Jacques Chirac und auch bereits Kanzlerin Angelika Merkel staunend und ehrfurchtsvoll in die „große Runde“. Auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder ließ sich hier mit Oskar Lafontaine, einem Urgestein des Saarschleifenlandes und dessen langjähriger Ministerpräsident, damals noch in trauter Eintracht, ablichten. Ob ein weiterer bedeutender Sohn des Saarlandes, der im saarländischen Neunkirchen geborene und aufgewachsene Erich Honecker, langjähriges Oberhaupt der untergegangenen DDR (ein „Wessi“ an der Spitze der DDR - wer hätte das gedacht!), die schönste Fluss-Schleife Deutschlands besucht hat, ist nicht verbrieft. Auf alle Fälle wurde er, der mächtigste Mann in Ost-Berlin, von der Wende heimgeholt - auf politische Weise im Herbst 1989.

Umfangen von heiliger Mystik und magischen Perspektiven: die Saarländische Schweiz

Eingebettet in dieses Land mit seinen fotogenen Aussichtspunkten liegen zwei Schweizen: die Keuchinger und die Saarländische Schweiz. Erstere liegt gleich in der Nähe der Saarschleife, beim Ort Mettlach. Hier erwarten den Wanderer spannende Felsformationen und außergewöhnliche Ausblicke ins Saartal. Dieser Abschnitt ist Teil des insgesamt 218 Kilometer langen Saar-Hunsrück-Steigs, der vom Deutschen Wanderinstitut als Premiumweg zertifiziert wurde. Ein Porträt dieser Schweiz erscheint bald an dieser Stelle.  

Etwas mehr Entdeckerblut braucht man, die Saarländische Schweiz zu finden. Sie ist eng mit dem kleinen Ort Bergweiler, ca. 60 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt Saarbrücken verbunden. Der Ort, der bis 1973 eine eigenständige Gemeinde darstellte, ist heute ein Ortsteil von Tholey im Landkreis St. Wendel des Saarlandes. Kein Schild oder Karte weist auf dieses Fleckchen „Schweizer“ Erde hin, es gibt weder eine Grenzmarkierung noch eine Hinweistafel. Nur menschliche Zeugen geben Auskunft, darüber, wo „ihre“ Schweiz beginnt und auch endet. Aber: Manche sagen so, manche so. Das Credo jedoch lautet: Bergweiler und seine Umgebung ist die Schweiz!

Auffallend ist zumindest, wenn man von der Autobahn A 1 aus Richtung Saarbrücken kommt, die beeindruckende Kulisse bei der Einfahrt in den Ort: bewaldete Berge von links und rechts, die wahrlich auf den Ort einstürzen und ihn in Beschlag nehmen. Schaut man näher hin, offenbart sich ein kleiner Taleinschnitt, das von einem Flüsschen, dem Theelbach durchflossen wird. Gleich am Anfang des Ortes springen ein Sägewerk sowie eine alte Mühle ins Auge. Während von der Sägerei laute Geräusche anzeigen, dass sie noch voll in Betrieb ist, strahlt die Mühle Ruhe aus. Sie wurde bereits vor vielen Jahren stillgelegt - so wie weitere drei Mühlen im Ort. Zwei davon waren Getreidemühlen und eine Ölmühle.

Wer, wann und auch warum die Saarländische Schweiz so benannt wurde, bleibt jedoch ein Rätsel. Durchfahrende Touristen hätten dieser Gegend Anfang des 20. Jahrhunderts den Zusatznamen Schweiz gegeben. Vielleicht wegen der umgebenden Berge, der frischen Luft, oder auch wegen des Flusstales. Niemand kann es wirklich sagen. Das mit der frischen Luft konnte aber jeder atmen: Ein Anwohner erzählt, dass in Bergweiler die Luft immer sauber war - im Gegensatz zur ständig umnebelten Umgebung, die von den zahlreichen rauchenden Schloten der Eisen- und Stahlhütten und anderen Industrieanlagen herrührte. Denn das Saarland zählte lange Zeit zu den bedeutendsten Steinkohlerevieren in Europa. Erste Mitte 2012 endete der Steinkohlebergbau im Saarland. Seitdem werden aus den Zeugnissen und Hinterlassenschaften dieser Epoche Denkmäler, Museen und kulturelle Erlebnisstätten - und Bergweiler ist nicht mehr die einzige rauchfreie Insel im Land!

Heiliges Wasser gegen Hautkrankheiten

Erinnerungen an die Schweiz werden nicht nur beim Passieren der Ortsdurchfahrt wach. Lenkt man die Schritte auf einen der auf den Ort „hereinstürzenden Berge“, gelangt man in den Himmelbergwald, wo sich ein Häuschen befindet, das an ein schweizerisches Mini-Chalet erinnert, eine Art Sennhütte aus Holz: das Heiligenhäuschen. Heilig wird das Häuschen genannt, weil sich hier eine Quelle befindet, der heilende Eigenschaften, insbesondere bei Hautkrankheiten, zugesprochen wird. Um 1720 soll hier ein verwundeter französischer Offizier von seinen Verletzungen genesen sein. Er sprach dies dem Eingreifen von Gottesmutter Maria zu und errichtete aus Dankbarkeit ihr zu Ehren eine kleine Kapelle, die bis zum heutigen Tag von Anwohnern liebevoll gepflegt wird. Das Erstrahlen des Altares im Lichterglanz der vielen Kerzen zeugt von einem stark frequentierten Ort.

Heilendes Wasser Das Wortsegel

Schwebend zwischen Himmel und Erde: Das Wortsegel

Dass Vergangenheit und Gegenwart in Bergweiler nur wenige Schritte entfernt liegen, kann der Besucher hautnah sehen und auch spüren: In unmittelbarer Nähe dieser Quelle ragt inmitten eines Feldes eine riesengroße Skulptur aus Stahl weit sichtbar in den saarländischen Himmel. Es sieht aus, als hätte jemand blind und mit voller Wucht etwas in den Ackerboden gerammt. Beim Näherkommen entfaltet sich das Monument als ein Kunstwerk besonderer Art: ein Denkmal  - genannt das Wortsegel. Das stählerne, 13 Meter hohe und 30 Tonnen schwere Monumentalwerk, auch als Denkmal für Poesie bezeichnet, wirkt wie eine Metapher für das Leben und lädt zu einer Rund-um-Schau ein. Je nach Blickrichtung und Perspektive kann man ein anderes Wort zu lesen ahnen - wie im richtigen Leben. Das von Professor Heinrich Popp von der Hochschule der bildenden Künste Saar geschaffene und 2005 errichtete Wortsegel besteht aus zwei jeweils segelförmigen Dreiecken, von denen eins auf der Spitze steht und die gegeneinander verdreht bzw. verspiegelt aufgestellt sind. Die beiden Stahlplatten wurden in der Dillinger Hütte, Europas führendem Grobblech-Hersteller aus Dillingen/Saar, gegossen und bis auf eine Stärke von 3 cm gewalzt. Offizieller Standort des Denkmals ist Tholey-Sotzweiler, wo 1944 der Künstler das Licht der Welt erblickte.

Die mächtige Skulptur diente auch schon als Namensgeber für den Lyrikwettbewerb „Wortsegel“, der seit 2006 an den saarländischen Schulen veranstaltet wird.

„Es fängt in kühnem Schwung die Poesie und die Geschichte des Landes ein, schlägt den Bogen von den ersten Mönchen der nahen Abtei Tholey, die vor 1300 Jahren das geschriebene Wort ins Land brachten, bis zur Dillinger Hütte, die High-Tech-Stahl für Brücken, Hochhäuser und Schiffe in aller Welt herstellt, aber auch ein Herz für Künstler hat …“,  versucht Wolfgang Felk in seinem Reiseführer „DuMont direkt Saarland“ die dahinter liegende Bedeutung des Kunstwerkes zu erfassen.

Dass die Dillinger Hütte nicht nur für die Kunst ein Herz hat, zeigte sie vor kurzem, als sie 250 überdimensionale Sonnenschirme für die Pilger in Medina baute. Auf der Piazza der Prophetenmoschee im saudi-arabischen Medina - die zweitheiligste Stätte des Islam nach der Großen Moschee in Mekka - errichteten sie ein Dach von einer Fläche von ca. 22 Fußballfeldern, das den Pilgern Schatten spenden soll. Ein eingebauter elektromechanischer Antrieb öffnet bzw. schließt die Schirme.

Ein Kruzifix widersetzt sich seiner Sprengung

Von diesem spektakulären Denkmal lohnt sich ein kleiner Abstecher zu einem überlebensgroßen Kruzifix, das nicht weichen wollte und einer Zerstörung widerstand. Es stand einst auf dem nahe gelegenen Schaumberg (dieser Berg wird von manchen auch zur Saarländischen Schweiz zugerechnet). Es sollte gesprengt werden, weil ein halb fertig gestellter Turm, der 1914 zu Ehren von Kaiser Wilhelm II. gebaut worden war, im Jahre 1972 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Die Bauarbeiter, sämtliche aus den katholisch geprägten Dörfern der näheren Umgebung bzw. italienischer Herkunft, weigerten sich jedoch, das Glaubenssymbol zu sprengen. So wurde es sachgerecht abgebaut und wenige Zeit später unweit des Platzes, an dem sich heute das Wortsegel befindet, wieder hingestellt. Von dort blickt der Gekreuzigte mit teils mahnenden aber auch wachen Augen auf die Bundesautobahn 1 hinunter. Ein kleiner Garten, der einen wunderschönen Blick auf die Umgebung bietet, lädt zum Verweilen aber auch zum Staunen und Nachdenken ein.

Der Wundertäter gegen Fischgräte in Hals und Rachen

Wunder und Unerklärliches strahlt auch die gegenüber dem Heiligenhäuschen liegende Bergkuppe des kleinen saarländischen Dörfchens aus. Hier, auf dem Blasiusberg, befindet sich ein sehenswertes und kulturhistorisch wertvolles Gotteshaus: die St. Blasius-Kapelle. Ihre baulichen Fundamente können bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Das ursprüngliche Gotteshaus wurde aus Holz gebaut und brannte im Laufe der Jahrhunderte mehrere Male nieder. Die jetzige Kapelle wurde im Jahr 1716 nach einem schweren Brand wieder errichtet. Im Inneren dieses barocken Kleinodes, das dem Heiligen Blasius und dem Heiligen Theobert geweiht ist, sind insgesamt drei Barockaltäre in den Farben weiß, blau und gold zu sehen. Auf dem Hochaltar ist die Figur des Heiligen St. Blasius, der Schutzpatron gegen Hals- und Rachenprobleme, dargestellt. Auf den Seitenaltären stehen die Heiligen St. Markus und St. Wendelinus, der der ca. 15 Kilometer entfernten Kreisstadt seinen Namen verdankt. Noch bis ins vorige Jahrhundert hinein war der Blasiusberg mit seiner Kapelle ein beliebter Pilger- und Wallfahrtsort. Jährlich zum Markusfest fand eine Prozession statt, die vom nahe gelegenen Ort Tholey ausging, wo sich die Benediktinerabtei (s.u.) befindet. Auch Einsiedler haben diesen Ort entdeckt und hier Zuflucht gesucht.

St. Blasiuskapelle

Härteste Feuerwehrleute der Welt und erste Bambinifeuerwehr im Saarland

Bergweiler, ein Ort zum Verweilen, Sinnen und Staunen. Der erstmals im Jahre 981 als Wilre (Weiler) urkundlich erwähnte Ort wurde früher einfach „Weiler“ genannt. Nach einem Bericht aus dem Jahr 1791 hieß der Ort “Villers im Loch”. Der Name des Ortes setzt sich aus den Bestandteilen „Berg“ und „Weiler“ zusammen. Der Blasiusberg wurde von den Dorfbewohnern häufig nur „Berg“ genannt, der Ort selbst nur „Weiler“. Lebens- und liebenswert hat Bergweiler in den letzten Jahren die Baugestaltung und Entwicklung im öffentlichen und privaten Bereich gemacht. So wurde die Dorfmitte neu gestaltet, alte Bauernhäuser restauriert und die Grünanlagen belebt. Ihre Liebe zum Dorf zeigen die Bewohner durch zahlreichen und vielfältigen Blumenschmuck an ihren Häusern.

„Komm nach Bergweiler, ins schöne Bergweiler, meine Heimat im Norden der Saar, ich bleibe dir treu immer dar“, besingt Jürgen Egler mit seinem Schifferklavier seinen schönen Ort. Und er fährt fort: „Schöne Täler und auch Bergeshöhen, laden ein zum Spazierengehen, die Wälder sind hier noch gesund“ (Video auf Youtube- siehe unten). Einladend geben sich auch die Einwohner der Gemeinde. Sie gelten als gemütlich und sehr gastfreundlich.

Dass die Bergweiler nicht „hinter den Bergen“ leben, demonstriert die Freiwillige Feuerwehr des Ortes. Regelmäßig bewähren sich erfolgreich ihre Mitglieder beim härtesten Feuerkampf der Welt. Dieser Wettbewerb, der Toughest Firefighter Alive (Härteste Feuerwehrleute) ist ein Feuerwehr-Wettkampf aus den USA. Es vereint Leistungswettkampf, Sport und Show. Mehrmals zeigten Feuerwehrfrauen (!) und -männer aus Bergweiler hier in den letzten Jahren Weltspitzenleistungen, wie beim Schlauchziehen, Leiterübung und Treppenlauf. Auch bundesweit besitzt die Feuerwehr das beste Team. Sie belegte kürzlich in der Team-Wertung den ersten Platz als beste freiwillige Feuerwehr Deutschlands. Großen Wert wird auch auf die Nachwuchsförderung gelegt. So wurde hier die erste Bambinifeuerwehr im Saarland gegründet, in der bereits Kinder ab 6 Jahren aktiv werden können.

„Gott lenkt, der Saarländer schwenkt“

Wer das Saarland bereist wird unweigerlich mit seinen Bräuchen, Sitten und auch einer eigenen Sprache konfrontiert. So nennt der Saarländer das Grillen „Schwenken“. Dazu passt der „Schwenker“, der sowohl eine Person bezeichnet, als auch für den Rost sowie für das Fleisch Verwendung findet. Schwenken ist für den Saarländer eine Passion. Die Prozedur beim Schwenken gleicht dem des Grillens. Das Fleisch - der Schwenker - wird auf ein Rost - den Schwenker -, gelegt, der mit Ketten an einem Dreibein befestigt wird, und durch eine Person - namens Schwenker - in schwingende Bewegungen versetzt. Das Ergebnis ist ein schmackhaftes, vollmundiges und saftiges Fleisch - der Schwenker, ein wahrhaft göttlich-menschliches Werk.

Herzweg: Anregungen für Herz und Kreislauf, Geist und Seele

Wer Bergweiler besucht kommt um einen Berg nicht herum: den Schaumberg. Er liegt nur wenige Kilometer vom Dorf entfernt und gilt als der Hausberg des Saarlandes. Der 568 Meter hohe Berg ist die höchste Erhebung des Saarlandes und ragt weit aus der meist flachen Umgebung heraus. Von oben bietet sich ein herrlicher Ausblick über das Saarland hinweg bis hin zum Pfälzer Wald, dem Hunsrück und bis hinein in die Vogesen des benachbarten Frankreichs.

Im Mittelalter stand hier die Schauenburg, errichtet um 1200, von der einzelne Mauern noch heute zu sehen sind. Auch hinterließen Kelten und Römer ihre Spuren. Heute findet man an seiner höchsten Stelle einen 36 Meter hohen Aussichtsturm, der 1976 fertig gestellt wurde. Im Turm thront ein überdimensionaler Altar, der mit einer Bronzeplastik ausgefüllt ist. Diese zeigt Tote, die sich über Gräber hinweg die Hände zur Versöhnung reichen. Es soll als fortwährendes Zeichen der Freundschaft mit dem französischen Nachbarn dienen.

Um den Berg herum führt ein 2,8 Kilometer langer, anregender Wanderweg, genannt der Herzweg. Anregend auf zweierlei Weise: einmal auf Herz und Kreislauf, weil hier ein besonderes Reizklima herrscht, ein andermal auf Geist und Seele. Denn unmittelbar am Weg liegt eine weit über die Grenzen des Saarlandes bekannte Kapelle, die eine spannende und ungewöhnliche Geschichte zu erzählen hat: die siebeneckige Afrikakapelle mit dem Namen „Zu den Sieben Schmerzen unserer lieben Frau von Afrika“. In ihr befindet sich eine so genannte Pieta, bekannt auch als Vesperbild, das Maria als Mater Dolorosa, als Schmerzensmutter mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus zeigt. Diese wurde von deutschen Soldaten modelliert, als sie sich im 2. Weltkrieg in afrikanischer Kriegsgefangenschaft befanden. Vor dieser Statue gelobten sie, ihr eine Kapelle zu bauen, wenn sie glücklich nach Hause kämen. Nach deren Freilassung brachten die von der Gefangenschaft ausgemergelten Soldaten die zentnerschwere Statue in einem Fußmarsch nach Deutschland. 1957 wurde mit dem Bau der Kapelle begonnen und ein Jahr später wurde sie eingesegnet. Der siebeneckige Grundriss soll an die sieben Schmerzen Mariens erinnern. Die an den sieben Ecken errichteten Pfeiler enden nicht unter dem aus Stahlbeton bestehenden Zeltdach, sondern ragen in Form je eines Dornes darüber hinaus und sollen die sieben Dornen der Dornenkrone symbolisieren.

Heiliges und Modernes in trauter Eintracht in Deutschland ältestem Kloster

Auf dem Weg zum oder vom saarländischen Hausberg kommt man nicht an einer kunsthistorischen und geschichtlichen Perle vorbei: die Benediktinerabtei St. Mauritius in Tholey. Seit mehr als 1.400 Jahren leben und beten hier Mönche nach den Regeln des heiligen Benedikt. Damit zählt die Abtei zu den ältesten Klöstern auf deutschem Boden! Hinter seinen verborgenen Mauern leben heute 13 Mönche. Sie arbeiten in der Seelsorge, betreiben die Gastwirtschaft, eine Buchhandlung und das Gästehaus. Der Wahlspruch des Klosters lautet: fides cum benignitate - Glaube und Menschlichkeit. Die Benediktinerabtei in Tholey gilt als geistliches Zentrum im Saarland.

Sehenswert ist die zwischen 1264 und 1304 erbaute frühgotische Abteikirche, deren Portal und Westturm sogar romanischen Ursprungs sind. In der Kirche ist man beeindruckt von den mächtigen Säulen, dem imposanten Deckengewölbe und den vielen geschnitzten und gemeißelten Details in Form von christlichen Figuren, Madonnen und Engeln. Einer davon ist Gabriel - der Engel von Tholey. Doch auch das Böse ist anwesend: als kleine Teufelsfigur in einem Säulenrelief am Seitenschiff. Die Kirche, die herrliche Klosteranlage mit ihren Klostergärten mit Laternen und Brunnen sowie einer Vielzahl an Obstbäumen und liebevoll gepflegten Kräuterbeeten sind ein Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt.

Klosterkräuter - eine belebende Mönchsmischung

An diesem Ort begegnen sich Altes und Modernes. Gegenüber der Abteikriche befindet sich das Gästehaus, das einen gehobenen Standard bietet. Auf den Übernachtungsgast wartet am Morgen eine Überraschung: das Frühstück bekommt er persönlich vom Chef der Abtei, von Prior-Administrator Pater Mauritius serviert. Für den Heimweg empfiehlt sich ein besonderes geistiges Getränk: der Klosterkräuter. Der Schnaps wird - wie kann es anders sein - nach einer geheimen Rezeptur der Mönche gebraut. Ein Kräuterlikör mit einem wohltuenden Genuss, der im Magen eine Segen bringende Wirkung entfaltet.